auch: Moritz Schaier, Scheier. Journalist, Schriftsteller. Studierte ein Semester an der Deutschen Universität Prag und 1906–1909 an der Universität Wien Jus (Doktortitel 1911, 1942 Aberkennung des Titels aus rassistischen Grünen, erst am 15. Mai 1955 wieder zuerkannt bzw. die Aberkennung für "von Anfang an nichtig" erklärt). Lehrer am NWK (von wann bis wann unbekannt, zumindest 1934: Freie Vorlesungen über Literatur und Ästhetik). Überzeugter Kriegsgegner, arbeitete u. a. für die "Arbeiter-Zeitung", das "Neue Wiener Tagblatt" als Kulturredakteur. Befreundet mit der gesamten intellektuellen Elite Wiens, u.a. Stefan Zweig, Arthur Schnitzler, Joseph Roth, Bruno Walter. 1938 Emigration nach Frankreich, zweimal verhaftet und interniert, beide Male gelang ihm die Flucht. Bis zum Kriegsende Unterschlupf in einer von Geistlichen geführten Anstalt in Belvès. Keine Rückkehr nach Österreich.
In seinen Werken "Asylum: A Survivor's Flight from Nazi.Occupied Vienna Through Wartime France" (Little, Brown and Company, 2016) sowie "Selbst das Heimweh war heimatlos: Bericht eines jüdischen Emigranten, 1938-1945 (Rowohlt, reinbek 2017) beschreibt er die Verfolgung, die "mental misery" und "broken souls" der jüdischen Bevölkerung unter der Diktatur von Adolf Hitler. Scheyer schrieb "... I have sought, again and again, to take refuge from the desolate reality of the last years in the only truth that still makes existence tolerable, opening wounds but at the same time healing them: memory." [in: European and Exotics, Vienna 1919, p. 5]
Quellen:
Moriz Scheyer: Selbst das Heimweh war heimatlos: Bericht eines jüdischen Emigranten 1938 - 1945, Rowohlt 2017
Österreichisches Biographisches Lexikon
Gedenkbuch für die Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Wien 1938